Als Jonah mit acht Jahren zum ersten Mal ins Tor wollte, hatte ich selbst keine Ahnung vom Torwartspiel. Ich hatte früher zwar Fußball gespielt, aber schnell gemerkt: Ein Torhüter ist nicht einfach ein Feldspieler mit Handschuhen.
Fangen, Fallen, Hechten und das richtige Stellungsspiel haben zunächst wenig mit dem zu tun, was ein Feldspieler im normalen Training lernt. Die Bewegungen müssen Schritt für Schritt aufgebaut werden. Gleichzeitig soll der Torhüter heute auch noch gut mit dem Ball am Fuß sein und das Spiel von hinten eröffnen.
- Das Torwartspiel besitzt eigene Techniken, die ein Kind erst lernen muss.
- Ein Fehler ist für alle sichtbar und führt häufiger direkt zu einem Gegentor.
- Eine gute Parade bekommt oft weniger Aufmerksamkeit als ein Tor.
- Im normalen Jugendtraining fehlt häufig die Zeit für eine methodische Torwartausbildung.
- Kinder können viele Aktionen der Profis aus dem Fernsehen noch gar nicht beherrschen.
Eine eigene Technik und eine eigene Ausrüstung
Torhüter fallen, rutschen, fangen und wehren Bälle mit den Händen ab. Dafür brauchen sie andere Bewegungsabläufe als ihre Mitspieler und zusätzliche Ausrüstung. Handschuhe müssen passen und Halt geben. Auf Kunstrasen wird außerdem eine Hose wichtig, die Knie und Hüfte schützt und nicht nach wenigen Einheiten durchgescheuert ist.
Auch das gehört zu dieser Position. Eltern kaufen nicht nur Fußballschuhe und Schienbeinschoner, sondern beschäftigen sich plötzlich mit Haftschaum, Polsterung und Verschleiß. Was bei uns wirklich sinnvoll war, haben wir im Beitrag zur Torwartausrüstung für Kinder zusammengefasst.
Ein Tor wird gefeiert. Eine Parade oft nur kurz.
Wenn ein Stürmer ein Tor schießt, laufen alle zu ihm. Vieles, was ein Torhüter richtig macht, fällt dagegen kaum auf. Wenn er gut steht und einen Ball deshalb sicher fängt, sieht das schnell selbstverständlich aus.
Bei Fehlern ist es umgekehrt. Verliert ein Feldspieler den Ball im Mittelfeld, können andere die Situation noch retten. Haut ein Stürmer über den Ball, geht das Spiel weiter. Trifft der Torhüter eine falsche Entscheidung, liegt der Ball häufig im Netz. Jeder hat es gesehen.
Kinder sind keine kleinen Bundesligatorhüter
Wir Erwachsenen vergleichen junge Torhüter unbewusst mit den Profis aus dem Fernsehen. Viele Techniken und Entscheidungen werden aber erst über Jahre erlernt. Manchen Kindern fehlen noch Körpergröße, Kraft oder Erfahrung.
Er macht es nicht absichtlich falsch. Er kann es in diesem Moment schlicht noch nicht besser.
Das ist kein Versagen. Das ist Teil seiner Entwicklung. Entscheidend ist nicht, was ein Profi gehalten hätte, sondern was man von einem Kind in seinem Alter und auf seinem aktuellen Ausbildungsstand erwarten kann.
Wenn im Verein das Torwarttraining fehlt
In vielen Jugendmannschaften gibt es keinen speziell ausgebildeten Torwarttrainer. Das ist kein Vorwurf an den Verein oder den Mannschaftstrainer. Häufig fehlen schlicht die Menschen und die Zeit. Für das Kind bedeutet es aber oft, dass eine methodische Ausbildung im normalen Mannschaftstraining kaum möglich ist.
Ein paar Sprünge über Hürden, ein Stangenparcours und anschließend einige Schüsse aufs Tor können Bestandteile einer Einheit sein. Allein daraus wird aber noch kein Torwarttraining. Entscheidend ist, ob das Kind die Grundstellung, Fangtechniken und Falltechniken Schritt für Schritt lernt und eine konkrete Rückmeldung zu seinen Bewegungen bekommt.
Wenn ein Kind wirklich Spaß am Torwartspiel hat und der Verein diese Ausbildung nicht anbieten kann, würden wir uns nach einer guten privaten Torwartschule umsehen. Nicht als zusätzlichen Pflichttermin und nicht, weil aus jedem Kind ein Profi werden soll. Sondern damit es die Grundlagen richtig lernt und sich im Tor sicherer fühlt.
Wir haben diese Punkte inzwischen ausführlicher zusammengefasst, inklusive unserer Erfahrungen mit KeeperZone und Theos Torspielerschule: Woran Eltern gutes Torwarttraining erkennen.
Nach einem Gegentor steht einer allein da
Die gegnerische Mannschaft jubelt. Die eigenen Mitspieler drehen sich weg. Der Torhüter holt den Ball aus dem Netz und steht für ein paar Sekunden ganz alleine da. Dabei ist längst nicht jedes Gegentor ein Torwartfehler.
Die Position hat aber nicht nur schwierige Seiten. Ein Torhüter übernimmt Verantwortung, muss kommunizieren und braucht Mut. Er lernt, nach Rückschlägen wieder aufzustehen.
Bei Jonah haben wir erlebt, wie wichtig es ist, gute Aktionen sichtbar zu machen. Er begann irgendwann, seine Paraden fast wie ein Tor zu feiern. Wenn seine Verteidiger zu ihm kamen und ihn abklatschten, war die Botschaft klar: Du hast gerade etwas richtig Gutes für unsere Mannschaft gemacht.
Diese Wertschätzung zeigt auch nach außen, dass eine Parade eine wichtige Mannschaftsleistung war. Vor allem aber gibt sie dem jungen Torhüter Selbstvertrauen.
Junge Torhüter brauchen nicht mehr Aufmerksamkeit als andere Kinder. Aber manchmal eine andere.