Jeder Rückpass macht einen nervös. Bei jedem Schuss hält man kurz die Luft an. Und manchmal möchte man am liebsten sofort erklären, was das Kind hätte besser machen können. Auch ich musste erst lernen, damit richtig umzugehen.
Fehler sind Helfer
Fehler passieren nicht mit Absicht und lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Entscheidend ist deshalb nicht, lange bei der vergangenen Situation zu bleiben. Die nächste Aktion zählt.
Erst fragen, dann reden
Nach einem Spiel fragen wir lieber: „Magst du darüber sprechen?“ Wenn Jonah reden möchte, helfen offene Fragen: Wie hast du die Situation wahrgenommen? Welche Möglichkeiten hattest du?
Sätze wie „Du hättest“, „Du musst“ oder „Du sollst“ bringen ein Kind selten weiter. Meistens hört es darin nur, dass es etwas falsch gemacht hat.
Nach 15 Gegentoren braucht es keine Fehlerliste
Wenn eine Jugendmannschaft deutlich verliert, weiß der Torhüter selbst, dass viele Bälle im Netz lagen. Dann suchen wir nach dem, was gut war. Vielleicht eine mutige Aktion, eine Parade oder ein guter Abschlag. Das wird benannt. Dann ist das Spiel vorbei.
Meistens beginnt ein Gegentor außerdem lange vor dem Torhüter. Ein verlorener Zweikampf, fehlende Zuordnung oder ein zu leichter Pass durch die Abwehr gehören zur Entstehung dazu.
Wenn unser Ehrgeiz größer wird
Problematisch wird es, wenn der Ehrgeiz der Eltern über dem des Kindes steht. Auch ich musste lernen, meine Erwartungen herunterzuschrauben. Die Frage ist nicht, wie viel Training aus Erwachsenensicht möglich wäre. Die Frage ist, wie viel das Kind selbst möchte.
„Den hätte er halten müssen“ ist schnell gesagt. Geholfen hat dieser Satz noch keinem jungen Torhüter.
Gute Aktionen dürfen sichtbar werden
Wir haben auch Jonahs Mitspieler darin bestärkt, eine starke Abwehraktion oder Parade gemeinsam zu feiern. Wenn die Verteidiger ihren Torhüter abklatschen, entsteht Wertschätzung. Das gibt Selbstvertrauen.
Eltern müssen nicht die besseren Trainer sein. Unsere Aufgabe ist es, Halt zu geben. Nach Siegen, nach Niederlagen und besonders dann, wenn der Ball im Netz liegt.